Methode und Lernmaterial

zum Bild oben:  Die Giraffe als Symboltier der GFK – das Landtier mit dem größten Herzen und viel Überblick

 

 „Es geht um echte Begegnung von Mensch zu Mensch, ohne Spiel, ohne Maske; eine Begegnung, die nicht belastet ist von unseren Ängsten, Gewohnheiten, Klischees, die nicht die Last der Automatismen und alten Reflexe trägt.“   Dr. Marshall B. Rosenberg   
                                                                                                            

 

Lernmaterial als pdf aus Teilnehmerunterlagen:
» Bedürfnisse, Liste
» trennende und verbindende Kommunikation

 
GFK – das Modell
Grundannahmen,  Empathie, Vier Schritte und Wölfe

Die Vier Schritte heißen Beobachtung – Gefühl – Bedürfnis -Bitte/Strategie. Sie spiegeln den ganzen Menschen in seinem Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln. Empathie, also Einfühlung, ermöglicht, dass alle Ebenen in einem sicheren Rahmen wahrgenommen und anerkannt werden. Dadurch wird eine Vollständigkeit erreicht, die tragfähige und erfreuliche Entscheidungen ermöglicht.

Grundannahmen der GFK

Was ein Mensch tut, ist immer das Beste, was ihm im Moment möglich ist. Schmerz wird nicht aus böser Absicht zugefügt, sondern aus Unwissenheit:

Unwissenheit über

  • die Konsequenzen (z.B. die Wirkung auf andere)
  • über wirksame Alternativen
  • kulturell bedingte Unwissenheit, die es akzeptiert, dass Menschen leiden müssen.

Schmerzliche Handlungen sind tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse. Menschen sind von Natur aus mitfühlende Wesen, die zum Wohlergehen anderer beitragen wollen.

Die „Unwissenheit“ ist natürlich ein Thema für sich – woher kommen meine momentanen Impulse, sind sie selbstzentriert, gruppenzentriert, weltzentriert?


Empathie


also Einfühlungsvermögen, ist eine Grundvoraussetzung für gewaltfreie Kommunikation. Im Hören und Sprechen ohne Bewertungen zeigen sich Menschen und Absichten in einem anderen Licht. Als Fähigkeit kann Empathie verfeinert und vertieft werden. Empathisches Hören und Sprechen wird als heilsam, ordnend und befreiend erlebt und ist ein wirksames  Mittel, um Gewalt ohne Gewalt zu beenden.

Empathie ist wirkliches
Hinhören, reine Präsenz,
Einfühlung in die Welt
des Anderen,

Abstand von allem
was man glaubt,
über ihn zu wissen und
Freisein vom Wunsch,
ihn zu verändern.

Empathie unterscheidet sich von  Mitleid, Trost, Zustimmung, Beratung und Verständnis. Sie kann in zwei Richtungen gegeben werden – sich selbst (Selbstempathie) oder anderen.


Vier Schritte

  •     Beobachtung
  •     Gefühl
  •     Bedürfnis
  •     Strategie/Bitte

Beobachtung
Tatsachen, wie  etwa eine Kamera sie dokumentieren würde. Frei von Bewertungen und Interpretationen. Beobachtungen sind Auslöser, aber nicht Ursache von Gefühlen.

Gefühle
sind Boten elementarer Bedürfnisse:    
angenehme Gefühle weisen hin auf erfüllte Bedürfnisse
unangenehme Gefühle weisen hin auf unerfüllte Bedürfnisse  

Bedürfnis
Fundamentale, existentielle Bedürfnisse, die allen Menschen gemeinsam sind. Sie sind universell – unabhängig von Ort, Zeit, bestimmter Person und Handlung. GFK betrachtet sie als Quelle der Gefühle und Motiv allen Handelns und Nichthandelns.

In allen Wünschen und Taten
eine Schicht der Bedürfnisse –
Quelle von Gefühlen,
Ort menschlicher Einigkeit.

Hier entspringt
Fürsorge oder Gewalt,
Handeln wie Nichthandeln,
Kämpfen und Verzeihen.

Nichts Zwingendes dort –
Nur Schönheit.

Bitte/Strategie
Hier geht es darum, was jetzt und konkret getan werden kann, damit das Leben schöner wird. „Giraffentanz“: Es wird verhandelt, bis beste Lösungen für alle Beteiligten  entstanden sind.


Wölfe

M.B. Rosenberg beschreibt vier Arten, einfühlsame Kommunikation zu behindern, die „Wölfe“*: Bewertungen (1), Forderungen (2), Vergleiche (3), Verantwortung verschleiern (4).

Beispiel:
Räum bitte deine Bücher auf!“ —  Antwort „wölfisch“: Du bist ja total pedantisch! (1). Machs doch selber, wenns dich stört (2). Schau doch mal, wie es bei dir im Keller aussieht (3). Ich kann nicht, ich hatte keine Zeit, ich musste noch telefonieren (4). 

* Nichts gegen echte Wölfe! „Der Wolf übernimmt nur wie im Märchen die Rolle des Bösewichts“ ( nach Klaus-Dieter Gens ).


mehr über Gefühle – unterscheide Ursache und Auslöser

Beobachtungen und Gefühle scheinen auf den ersten Blick ursächlich verknüpft zu sein („Ich bin sauer, weil deine Sachen herumliegen“). Tatsächlich sind Beobachtungen jedoch nur Auslöser von Gefühlen. Der Ursprung der Gefühle liegt in  (un-)erfüllten Bedürfnissen. (Ich bin sauer, wenn deine Sachen herumliegen, weil ich Schönheit/Ordnung …. brauche)


Schritte verbinden

Eine einzelne „gewaltfreie Schleife“ sieht so aus:  Wenn ich  <Beobachtung>, dann fühle ich <Gefühl>, weil ich  <Bedürfnis> brauche und bitte dich <Bitte>

Die kausale Verknüpfung ist also in der GFK:

statt „Ich bin frustriert, weil deine Sachen herumliegen“

„Ich bin frustriert, wenn deine Sachen herumliegen, weil mir Ordnung wichtig ist“.

Das Gefühl wird auf ein Bedürfnis bezogen, der Besitzer der herumliegenden Sachen weiß nun, dass sie dich stören, wird aber nicht für deine Gefühle verantwortlich gemacht. Anschließen könnte sich eine Bitte: Sag mir bitte, was du davon hältst, sie jetzt aufzuräumen.


GFK – eine natürliche und persönliche Sprache

Markus Sikor, Alexandra Boos und Thomas Stelling (NVC-trainer-akademie.com)  haben es einmal so formuliert:

Gewaltfreie Kommunikation dient vor allem der inneren Klärung! In Konflikten kann es hilfreich sein, alle vier Schritte auszusprechen – im Alltag klingt es eher künstlich und nervt. Eine natürliche und persönliche Ausdrucksweise kann sich entwickeln im Lauf der Zeit aus der Umstellung der Denkweise. „Giraffensprache“ ist nicht so schwer zu erlernen. Viel schwerer ist es, alte Denkmuster zu überwinden.